Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde
Trabelsdorf
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Andacht

 
"Wenn dein Kind dich morgen fragt...." (5. Mose 6, 20)
hieß die Kirchentagslosung für Hannover 2005.

Kinder fragen! Und sie fragen auch nach religiösen Themen: Hilft es zu beten? Warum glauben manche Menschen nicht an Gott? Warum geht es Leuten, die an Gott glauben manchmal schlecht und Leuten, die nicht glauben, gut? Wo ist der Himmel und ist Oma jetzt dort? Wann gibt es Frieden auf der Welt?

Kinder fragen nach Gott und es fällt uns Erwachsenen oft sehr schwer zu antworten. Gerade in religiösen Dingen macht sich Sprachlosigkeit breit. Wir reden über alles, nur nicht über unseren Glauben.

Kinderfragen sind Orientierungsfragen, nach dem, was in der Welt gelten soll, was richtig ist und was falsch. Und es ist die Frage: Was geben wir unseren Kindern mit? Was leben wir vor? Welche Werte vermitteln wir? Wenn das Reden über den Glauben ausfällt, gibt es zahlreiche andere Instanzen, die Werte vermitteln.

Ich beobachte eine Schnäppchenjägermentalität, auch bei mir selber. Hauptsache, die Sachen sind billig, wenn es nichts taugt, werfe ich es weg. Aber was ist dann Arbeit wert und Qualität? Müssen Dinge nicht einen angemessenen Preis haben, um auch die Menschen zu würdigen, die etwas herstellen? Oder sind es ja nur Maschinen?

Ich beobachte eine Labermentalität. Jeden Nachmittag wird auf den Privatsendern geredet und gelabert und getalkt. Und das Wichtigste: Hauptsache, ich kann mich präsentieren, bekomme Recht, behaupte meinen Standpunkt, kann andere fertig machen und als Sieger heimgehen. Ich sehe selten, dass einer versucht, den anderen zu verstehen oder sich in den anderen hinein zu versetzen.

Ich beobachte eine "Schau, dass du zu was kommst"-Mentalität. Hauptsache ich habe mehr als ich brauche, was kümmern mich die anderen, sind doch selber schuld, wenn sie zu nichts kommen.

Welche Werte vermitteln wir?

Wenn dein Kind dich morgen fragt: „Was sind das für Vermahnungen, Gebote und Rechte, die euch der Herr, unser Gott gegeben hat?“ Dann ist das eine Frage danach, was in unserem Leben gelten soll.

Die Bibel antwortet nicht mit einem erhobenen Zeigefinger. Sondern mit Gottes Heilsgeschichte. Erinnere dich daran, was Gott dir in deinem Leben alles Gutes getan hat. Er hat dich aus dem Leid in Ägypten in die Freiheit und das gelobte Land geführt. Vorher im Bibeltext heißt es: „Du lebst jetzt in Städten, die du nicht gebaut hast, wohnst in Häusern voller Güter, die du nicht gefüllt hast, trinkst von Weinbergen, die du nicht gepflanzt hast.

Keiner lebt für sich allein. Wir haben uns den Wohlstand in unserem Land nicht allein erarbeitet, sondern so viel geschenkt bekommen. Wir leben und ernten den Wohlstand unserer Väter und Mütter. Wir leben das Gottesgeschenk unserer Partner, Freunde und Kinder. Welches Recht haben wir darauf? Kann ich dankbar sehen, was ich habe oder lasse ich mir dauernd einreden: Es ist nicht genug? So leben wir auch in einer Gesellschaft, die nur funktionieren kann, wenn wir alle, auch ihre schwächsten Glieder mittragen. Denn morgen könnte ich es sein, die krank wird, die ihre Arbeit verliert, die durch eine Scheidung in eine finanzielle Notlage gerät. Es ist nicht selbstverständlich was wir haben. Und aus der Dankbarkeit für das, was ich von Gott geschenkt bekommen habe - nicht nur an finanziellen Mitteln - , sehe ich auch auf meine Mitmenschen, auf ihr Wohl, ihr Auskommen, ihre Würde. Das ist ein Gegenentwurf, eine andere Art zu leben, als oben geschildert. Das gibt einen aufrechten Gang, wenn ich mich nicht immer nur zu meinem eigenen Nabel herunterbeugen muß, sondern dem anderen mit Rückgrat in die Augen sehen kann.

Und genau das ist der Inhalt der Gebote Gottes, die Achtung der Würde und des Lebens jedes einzelnen Menschen, der Gottes Geschöpf ist. Das ist die Antwort auf die Frage der Kinder, nach dem was gelten soll in unserem Leben.

Ihre Pfarrerin Anke Thiemann-Bruha


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